Heinzelmännchen von Köln

Heinzelmännchen von Köln

Die Heinzelmännchen sind der Sage nach Kölner Hausgeister. Sie verrichten nachts, wenn die Bürger schlafen, deren Arbeit. Werden sie dabei jedoch beobachtet, verschwinden sie für immer. Die Sage erscheint 1826 erstmals schriftlich in einem Werk des Kölner Schriftstellers Ernst Weyden (1805-1869).

Populär geworden ist sie in der Gedichtfassung von 1848 des Malers und Dichters August Kopisch (1799-1853):

Wie war zu Cölln es doch vordem
mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn war man faul, … man legte sich
hin auf die Bank und pflegte sich.
Da kamen bei Nacht, eh‘ man’s gedacht,
die Männlein und schwärmten
und klappten und lärmten
und rupften und zupften
und hüpften und trabten
und putzten und schabten –
und eh ein Faulpelz noch erwacht,
war all sein Tagwerk … bereits gemacht!…

Die Zimmerleute streckten sich
Hin auf die Spän‘ und reckten sich.
Indessen kam die Geisterschar
Und sah was da zu zimmern war.
Nahm Meißel und Beil
Und die Säg‘ in Eil;
Und sägten und stachen
Und hieben und brachen,
Berappten
Und kappten,
Visierten wie Falken
Und setzten die Balken…
Eh sich’s der Zimmermann versah…
Klapp, stand das ganze Haus… schon fertig da!

Beim Bäckermeister war nicht Not,
Die Heinzelmännchen backten Brot.
Die faulen Burschen legten sich,
Die Heinzelmännchen regten sich –
Und ächzten daher
Mit den Säcken schwer!
Und kneteten tüchtig
Und wogen es richtig,
Und hoben
Und schoben,
Und fegten und backten
Und klopften und hackten.
Die Burschen schnarchten noch im Chor:
Da rückte schon das Brot,… das neue, vor!

Beim Fleischer ging es just so zu:
Gesell und Bursche lag in Ruh.
Indessen kamen die Männlein her
Und hackten das Schwein die Kreuz und Quer.
Das ging so geschwind
Wie die Mühl‘ im Wind!
Die klappten mit Beilen,
Die schnitzten an Speilen,
Die spülten,
Die wühlten,
Und mengten und mischten
Und stopften und wischten.
Tat der Gesell die Augen auf,…
Wapp! hing die Wurst da schon im Ausverkauf!

Beim Schenken war es so: es trank
Der Küfer bis er niedersank,
Am hohlen Fasse schlief er ein,
Die Männlein sorgten um den Wein,
Und schwefelten fein
Alle Fässer ein,
Und rollten und hoben
Mit Winden und Kloben,
Und schwenkten
Und senkten,
Und gossen und panschten
Und mengten und manschten.
Und eh der Küfer noch erwacht,
War schon der Wein geschönt und fein gemacht!

Einst hatt‘ ein Schneider große Pein:
Der Staatsrock sollte fertig sein;
Warf hin das Zeug und legte sich
Hin auf das Ohr und pflegte sich.
Das schlüpften sie frisch
In den Schneidertisch;
Da schnitten und rückten
Und nähten und stickten,
Und faßten
Und paßten,
Und strichen und guckten
Und zupften und ruckten,
Und eh mein Schneiderlein erwacht:
War Bürgermeisters Rock… bereits gemacht!

Neugierig war des Schneiders Weib,
Und macht sich diesen Zeitvertreib:
Streut Erbsen hin die andre Nacht,
Die Heinzelmännchen kommen sacht:
Eins fähret nun aus,
Schlägt hin im Haus,
Die gleiten von Stufen
Und plumpen in Kufen,
Die fallen
Mit Schallen,
Die lärmen und schreien
Und vermaledeien!
Sie springt hinunter auf den Schall
Mit Licht: husch husch husch husch! – verschwinden all!

O weh! nun sind sie alle fort
Und keines ist mehr hier am Ort!
Man kann nicht mehr wie sonsten ruhn,
Man muß nun alles selber tun!
Ein jeder muß fein
Selbst fleißig sein,
Und kratzen und schaben
Und rennen und traben
Und schniegeln
Und biegeln,
Und klopfen und hacken
Und kochen und backen.
Ach, daß es noch wie damals wär!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!

Es war in der Vergangenheit nicht unumstritten, ob es sich wirklich um eine „alte Kölner Sage“, handelt oder diese etwa aus Berlin stammt. Kopisch schrieb Köln „Cölln“, was der Vermutung, die Sage stamme gar nicht aus Köln, sondern Berlin recht zu geben schien.

Wir können aber Entwarnung geben:

Bei den Kölner Heimatforschern gilt es inzwischen als erwiesen, daß der Autor mit seinem Gedicht unser Köln im Rheinland gemeint hat. Schließlich wird eine entsprechende Sage schon in dem 1826 von Ernst von Weyden herausgegebenen Werk „Cöln´s Vorzeit – Geschichten, Legenden und Sagen“ erwähnt. Die Sage ist damit also bereits Jahre vor Erscheinen des Gedichtes für den Kölner Raum belegt.

Der  Heinzelmännchenbrunnen

Die Kölner sind jedenfalls ganz verliebt in die Heinzelmännchen-Sage. Daher stiftete der Kölner Verschönerungsverein 1899 zum hundertsten Geburtstag von August Kopisch den Heinzelmännchen-Brunnen.

Heinzelmännchenbrunnen in Köln

Gestaltet wurde er von Edmund und Heinrich Renard. Für diese beiden, Vater und Sohn, war das doch sehr weltliche Thema des Brunnens etwas neues, denn sonst schufen sie religiöse Kunstwerke.

Heinzelmännchen-Sage hat wahren Kern

Einige mag es erstaunen: Die Heinzelmännchen gab es wirklich! Der Historiker Harry Böseke hat herausgefunden:

Die Heinzelmännchen waren Schwarzarbeiter aus den rheinischen Erzbergwerken, die nachts – am Fiskus vorbei – Arbeiten für die Kölner Handwerker verrichteten.

Wie heißt es in dem Text von August Kopisch um 1836:

„Da kamen bei Nacht, eh man’s gedacht, die Männlein und schwärmten und klappten und lärmten und rupften und zupften und hüpften und trabten und putzten und schabten, und eh ein Faulpelz noch erwacht, war all sein Tagwerk bereits gemacht.“

Böseke hat das Rätsel um die kleinen Männchen enthüllt: „In den Bergwerken in Lüderich, Much oder Ruppichteroth mussten Wasserknechte mit Leder-Eimern das Grundwasser aus den Gruben schaufeln“, so der Historiker. „Die Schächte waren sehr eng, so dass nur kleinwüchsige Menschen und Kinder konnten diese Arbeit tun. Die nannte man Heinze-Menschen.“

Als um 1500 die Pumptechnik aufkam, wurden die Wasserschöpfer mit einem Schlag arbeitslos. „Sie wanderten in die große und wohlhabende Stadt Köln aus, hausten dort in den unterirdischen Gängen“, so Böseke. Um zu überleben, versuchten sie, sich auf dem „zweiten Arbeitsmarkt“ durchzuschlagen.

Heimlich, gegen geringste Entlohnung und am Fiskus vorbei. Nachts flitzten sie durch die Stadt und erledigten die Arbeit: Ob Bäcker, Fleischer, Zimmermann oder Schneider – jeder clevere Kölner nutzte ihre Dienste.

August Kopisch

(geb. 26.5.1799 Breslau; gest. 6.2.1853 Berlin)

Der aus einer großbürgerlichen Kaufmannsfamilie stammende Kopisch verließ das Breslauer Gymnasium vorzeitig, um an den Kunstakademien von Prag (1815-17), Wien (1818-19) und Dresden (1821-24) Malerei zu studieren. Er fand aber am Akademiebetrieb wenig Gefallen, schwankte zwischen bildender Kunst, Literatur und Wissenschaft, wandte sich zunehmend zur Dichtung. Eine beim Malen hinderliche Handverletzung war Vorwand für einen längeren Genesungsaufenthalt in Italien (1824-29). Die Malerei gab er dabei zwar nicht völlig auf, hauptsächlich bearbeitete und übersetzte er aber neapolitanische Komödien und wurde mit dem anonymen Volksgut des Südens vertraut. Zudem betätigte er sich als Experte bei Kunstkäufen für deutsche Besucher und als Cicerone in Neapel, z.B. für den späteren preußischen König Friedrich Wilhelm IV. Die Begegnung mit Platen 1827 führte ihn zu intensiver Hinwendung zur Antike.

1829 kehrte er nach Breslau zurück, dort nahm er aktiv teil am künstlerischen Leben des »Breslauer Künstlervereins« um Eichendorff, Freytag, Holtei, Hoffmann von Fallersleben; auch in der Berliner Abendgesellschaft glänzte er als Rezitator und Gelegenheitsdichter. Von Friedrich Wilhelm IV. erhielt er eine Jahrespension; er war im Hofmarschallamt als Kunstexperte tätig.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*