Kölner Klüngel

Norbert Burger, ehemaliger verstorbener Oberbürgermeister von Köln, erklärte ihn so: „Klüngel ist das Ausräumen von Schwierigkeiten im Vorfeld von Entscheidungen“. Der Klüngel gehört zu Köln wie das Kölsch oder der Kölner Dom.

Bild von einem IndustriellenAls Kölner Klüngel oder auch „Kölscher Klüngel“ wird in Köln ein besonders ausgeprägtes System auf Gegenseitigkeit beruhender Hilfeleistungen und Gefälligkeiten bezeichnet. Das  kann zur Vermischung von gesellschaftlichen, politischen und industriellen Interessen und damit zur Korruption mutieren.

Im Alltagsgebrauch ist bei den Kölnern der Klüngel allerdings durchaus positiv besetzt im Sinne von „Eine Hand wäscht die andere“ oder „Wer sich kennt, der hilft sich“. Hinter dem berühmt-berüchtigten „Kölschen Klüngel“ verbirgt sich nämlich ureigentlich nur das christliche Prinzip der Nächstenliebe: Zum Wohle des Nächsten mal ein Auge zudrücken und trotz aller Paragrafen auch einmal „fünf gerade sein lassen“. 

Herkunft des Begriffs Klüngel

Der Begriff Klüngel stammt aus dem 19. Jahrhundert und bezeichnete ursprünglich ein Faden- oder Zwirnknäuel. 

Nach der Schlacht von Worringen 1288 übernahmen 15 Patrizierfamilien vom Erzbischof das Stadtregiment und lenkten die Politik ihrer Stadt nach eigenem Gusto. 1396 erzwangen die erstarkten Kaufleute und Handwerker im „Verbundbrief“ mit ihren politischen Gaffeln eine (in ersten Ansätzen demokratische) Teilhabe an der Politik. Bürgermeister und Ratsmitglieder aus immer denselben Familien sind jedoch ein Indiz dafür, dass sich nur teilweise etwas geändert hatte. Dieses System galt bis in die Zeit Napoleons. Nach 1815 gehörte Köln zu Preußen, und es soll seriöser zugegangen sein. So galt beispielsweise die Regel, dass niemals Vater und Sohn gleichzeitig ein Amt im Rat bekleiden durften. Politische Würdenträger sollten wohlhabend und damit unempfindlich für illegitime Geldeinnahmen im Amt sein.

Anfang des 20. Jahrhunderts prägte Konrad Adenauer, der Oberbürgermeister, die Parole „Mer kennt sisch, mer hilft sisch“.

Und dabei ist es in Köln bis heute geblieben… Durchaus im positiven Sinne!

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