Kölscher Köbes

Die blau gewandeten Kellner der Kölner Brauhäuser werden Köbes gerufen. Der Köbes ist eine „Versorgungseinrichtung“ ganz besonderer Art. Gastfreundlichkeit nimmt er sehr wörtlich – der Gast hat ihn immer zu hofieren und ihm gegenüber aufmerksam und freundlich zu sein. Dafür bekommt er dann auch das leckere Kölsch als Nachschub. Aber Achtung: Wird ein anderes Getränk bestellt, erntet der Gast mitunter nicht nur ablehnendes Kopfschütteln, sondern er hat nach einiger Zeit das komische Gefühl, gar nicht anwesend zu sein. Der Köbes übersieht ihn einfach! Ein Köbes ist nicht aus der Ruhe zu bringen und um keine spitze Bemerkung verlegen. Gegenüber Bettler und Kaiser sind sie gleichermaßen mürrisch. Unaufgefordert bringen sie ein neues Kölsch, wenn das Glas des Gastes leer ist; anderseits lassen sie sich aber nicht zur Eile antreiben. Ihre Aufmerksamkeit dem Gast gegenüber hängt häufig davon ab, ob er ihnen sympathisch ist.

Der Name „Köbes“ stammt aus der Zeit der Wallfahrten zum Heiligen Jakobus nach Santiago de Campostela. Einer der Hauptpilgerwege führt über Köln. Zu dieser Zeit war es für viele Christen ein Muss die Strapazen der Pilgerreise nach Spanien auf sich zu nehmen. Einigen von Ihnen – sie waren nicht alle wohlhabend – ging unterwegs das Geld aus. Tätigkeit umsehen, um ihre Reisekasse aufzubessern. So mancher von ihnen heuerte als Kellner in einer der vielen Kölner Kneipen an. Den Kölner Gästen waren die Namen der wechselnden Bedienungen entweder nicht bekannt oder es viel ihnen schwer, die oft fremdländischen Namen auszusprechen. Sie machten es sich – ganz kölsche Art – einfach und nannten alle Kellner nur nach dem Apostel, dessen Grab die Pilger aufsuchen wollten, verniedlichend: Jaköbchen. Daraus wurde dann nach und nach der eingekölschte Name Köbes.

Bild von einem Köbes
1926 wandten sich die Kölner Brauereien gegen die Erhöhung der Getränkesteuer durch die stadt. Der dort dargestellte Köbes trägt in einer Hand den „Kranz“, in der anderen die 3 Kölsch in der Hand. Das war damals typisch für den Köbes

Folgende Geschichte ist verbürgt: Kommt ein Trupp ausgelassener Gäste in ein Kölner Brauhaus. Unter Ihnen ein Düsseldorfer. Man bestellt eine Runde Kölsch. Nur der Düsseldorfer verlangt ein Alt. Der Köbes bringt das Kölsch, den Düsseldorfer übersieht er. Dieses Ritual wiederholt sich mehrmals. Schließlich beschwert sich der Düsseldorfer, der vom Köbes immer wieder übergangen wurde, lauthals. Bei der nächsten Runde kommt der Köbes wieder mit frisch gezapftem Kölsch. Dem Düsseldorfer allerdings setzt er ein altes abgestandenes Glas Bier, unansehnlich und ohne Schaum, vor die Nase und sagt: „He häs do ding Alt“ (= hier hast du dein Alt).

Übrigens: Da sich auch andere Arbeitssuchende damals als Pilger ausgaben und den Kölnern Bier kredenzten, traten die Kneipengäste diesen misstrauisch gegebenüber. Es bürgerte sich die Redewendung ein: „Das ist aber auch nicht der wahre Jacob“.

 

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